Finanzkrise

Auch unvermeidlich in dieser Situation war ein Eintrag zur derzeitigen Finanzkrise, und da sie ihren Anfang in Amerika nahm, sind die folgenden Links zum Thema allesamt aus den USA:

  • Eine Verballhornung eines altbekannten Liedes: “At Christmas time we should always spare a thought for those less fortunate than us. After 20 years of bleeding the world, the global financial community has fallen on hard times. These people desperately need our thoughts, prayers and lots of our money. If you have any investments or savings left, or any money left over at the end of the month please, please give generously.”
  • The Onion erklärt leicht verständlich, was schief ging.
  • Harvard ist die reichste Universität der Welt mit einem geschätzten Stiftungsvermögen von ca. 36 Milliarden US-Dollar, was auch an dem sagenhaften Erfolg ihrer Finanzmanager liegt, die mit riesigem Erfolg mit dem Stiftungsvermögen spekuliert haben. Das konnte nicht ewig gut gehen: Harvard mag immer noch die reichste Universität sein, aber es hat Verluste von mindestens 8 Milliarden Dollar, vielleicht sogar bis 16 Milliarden Dollar erlitten (Boston Globe, Bloomberg.comUni-Spiegel, Pressemitteilung der Harvard-Präsidentin). Ein Wort noch zum Uni-Spiegel-Artikel: Es wird dort gesagt, daß Harvard als eine seiner Sparmaßnahmen in Erwägung zu ziehen, nicht mehr allen seinen Doktoranden Stipendien anzubieten, was bei anderen großen Universitäten nicht üblich sei. Diese Aussage verdient noch eine Richtigstellung: vielmehr ist es so, daß es bei öffentlichen Universitäten nicht üblich ist, da dort die Haushaltsmittel um einiges begrenzter sind als bei den großen privaten Universitäten, die allesamt durchaus angenommenen Doktoranden Stipendien garantieren (und Harvard ist sowieso aufgrund seines Renommees dafür bekannt, seinen Doktoranden und auch seinen Professoren – Ausnahmen bestätigen die Regel! – keine besonderen Spitzengehälter zu bezahlen). Ich habe keinen Überblick darüber, wie es anderen Universitäten ergangen ist, mit der Ausnahme von der im Bloomberg-Artikel erwähnten Yale University, die bisher die Nr. 2 war, was das Stiftungsvermögen angeht, und prozentual wohl ähnliche Verluste wie Harvard erlitten hat. 
  • Außerdem natürlich Yeshiva University und Hofstra University, die aber nicht durch “normale” Spekulationen Geld verloren haben, sondern dem größten Schneeballsystem der Börsengeschichte aufgesessen sind: Bernard Madoff, Wall-Street-Eminenz, wurde gerade verhaftet, nach seinen Aussagen sind es bis zu 50 Milliarden $, die er in den Sand gesetzt hat. Zur Yeshiva-Universität aus New York City gibt es auf dem Blog University Diaries von Margaret Soltan genug Einträge. Die Stimme des Volkes kann im folgenden Artikel des Houston Chronicle sehen, der sich mit einer wohlhabenden Dame aus Houston beschäftigt, die samt ihrer unmittelbaren Familien große Teile ihres Vermögens verloren hat. Wie man aus den Kommentaren ersehen kann, hält sich das Mitleid in Grenzen… Zuguterletzt noch ein Video aus dem Jahr 2007, als Madoff noch hochangesehen war und (fast) niemand von seinen Schwindeleien Bescheid wußte: 
  • Und noch etwas Semantisches: im amerikanischen Sprachgebrauch werden Schneeball- oder Pyramidensysteme, die als Investmentanlage daherkommen, als “Ponzi scheme” bezeichnet, nach einen ebensolchen Betrüger in Boston 1920. Der Unterschied zwischen Ponzi schemes und herkömmlichen Pyramidensystemen ist, daß die letzteren explizit darauf basieren, daß die Teilnehmer jeweils neue Mitglieder werben müssen, um deren Gelder als Gewinn zu kassieren. Ein solches System bricht aufgrund der exponentiellen Ausweitung des Teilnehmerkreises natürlich sehr schnell zusammen. Ein Ponzi scheme, auf der anderen Seite, hat ja den (zumeist) einen Initiator  als Mittelpunkt, und basiert darauf, daß dieser die Investoren immer wieder davon überzeugt, ihre vermeintlich erfolgreichen Anlagegewinne wieder zu reinvestieren. Häufig erhöhen diese Inverstoren dann ihre Anlagesumme, während der Initiatorzugleich Neuanleger wirbt. Bei Herrn Ponzi geschah dies rapide, bei Herrn Madoff eher behutsam, aber deswegen flog der erstere ja auch nach knapp zwei Jahren auf, der letztere erst nach Jahrzehnten…


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2 Comments »

  1. lala said

    was mich zum Madoff Fall mal interessieren wuerde:

    Also er hat etwa 50 Mrd Dollar von Anlegern bekommen. Ich meine gelesen zu haben dass davon nur noch so 300-500 Mio da sind. Wo ist dann das ganze Geld hin?
    Hat er das doch investiert und ist es im grossen Boersencrash dahingegangen oder selbst beiseitegeschafft? Das Geld muss ja doch irgendwo hingegangen sein…

    Andere Moeglichkeit: Er hat eigentlich nur so z.B. 20 Mrd bekommen aber die scheinbaren Gewinne die immer wieder investiert wurden haben das ganze dann auf 50 Mrd hochwachsen lassen. Dadurch waere der Schaden von 50 Mrd Dollar garnicht so hoch, da ja sowieso nur erfundenes Geld vernichtet wurde…

  2. wazawaza said

    ja, wenn wir das so genau wüßten… es machen sich gerade sicherlich Heerscharen von Wirtschaftsprüfern und Buchhaltern drüber her, um eben genau das herauszufinden. Zudem las ich gerade einen Zeitungsartikel, in dem es hieß, daß diejenigen, die mit Madoff Gewinn gemacht haben, ihren Gewinn zurückerstatten müßten, wobei aber umstritten ist, wie viele Jahre das zurückreichen sollte: http://www.nytimes.com/2008/12/19/business/19ponzi.html?_r=1&hp

    Ich bin auch mal gespannt, ob wir am Ende erfahren werden, wie genau der Knabe das alles angestellt hat und wieviel Geld letztlich im Spiel war. Ich mein, auf sein Wort verlassen kann man sich ja nun wirklich nicht unbedingt…

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