Archive for Uncategorized

Gouverneurswahlen in Tokyo

Es war ein Paukenschlag in der Politik der japanischen Hauptstadt: der parteilose Gouverneur von Tōkyō, Naoki Inose, trat am 19. Dezember zurück, nachdem bekannt geworden war, dass er von einem Klinikkonzern 50 Milionen Yen (ca. 360.000€) als “persönliches Darlehen erhalten hatte. Derselbe Klinikkonzern hatte ein Interesse daran, das Tepco-Krankenhaus zu erwerben, worauf die Präfektur Tokyo als Aufsichtsbehörde hätte Einfluss nehmen können. Inose, der als Zögling des umstrittenen ex-Gouverneurs Ishihara gilt, und sich u.a. als Biograf des nationalistischen Autors Yukio Mishima einen Namen gemacht hatte, trat auch auf Rat seines Förderers zurück, den er einst als Vize-Gouverneur gedient hatte. Inose ist mit 372 Tagen der Gouverneur mit der kürzesten Amtszeit in der Geschichte der Präfektur Tokyo.

Heute ist nun die Neuwahl. Die japanische Parteienlandschaft ist unübersichtlicher geworden, und das Kandidatentableau ist ein Ausdruck davon. Alle Kandidaten (nur Männer) bis auf einen treten formal als Unabhängige an. Im folgenden die Kandidaten mit den besten Chancen:

Morihiro Hosokawa, 76, ehemaliger Premierminister von Japan (1993-1994). Kandidat der Demokratischen Partei, unterstützt vom immer noch populären ex-Premierminister Junichiro Koizumi von der LDP (Konservative Partei). Sein größtes Ziel ist der Ausstieg aus der Atomkraft. Aber ein bisschen wirkt seine Kandidatur so, als ob Helmut Kohl Bürgermeister von Bonn werden wollte..

Yōichi Masuzoe, 63, ehemaliger Minister für Gesundheit, Arbeit und Soziales von 2007-2009. Kandidat der (konservativen) Liberaldemokratischen Partei, der jedoch auch bei der Anhängerschaft der in Tokyo sehr starken Demokratischen Partei beliebt ist. Masuzoe ist in der LDP umstritten, weil er sie 2010 verließ, um eine neue Partei zu gründen, aber dennoch einigte sich die die LDP auf Tokyo auf ihn als Kandidaten, weil sie niemanden finden konnte, der diese undankbare Aufgabe übernehmen wollte. Zur Atomfrage präsentiert sich Masuzoe als Moderater, da er die Abhängigkeit Japans von der Atomkraft verringern möchte.

Kenji Utsunomiya, 67, Anwalt, spezialisiert auf Schuldnerberatung. Kandidat der Kommunistischen Partei und der Sozialdemokratischen Partei. Trat bereits 2012 an. Strikter Gegner der Atomkraft. Hosokawa hatte ihn aufgefordert, auf seine Kandidatur zu verzichten, da er Angst hatte, dass die Anti-Atomkraft-Stimmen gesplittet würden. Utsonomiya lehnte ab.

Toshio Tamogami, 63, ex-General der Selbstverteidigungstruppe. Kandidat der Nationalisten um ex-Gouverneur Shintaro Ishihara. Er wurde im Jahr 2008 zwangspensioniert, weil er in einem Aufsatz die Rolle Japans im Krieg gerechtfertigt hatte. Die Regierung entschuldigte sich dafür, seine schon lange bekannten nationalistischen Ansichten so lange “übersehen” zu haben. In der Atomfrage sprach sich Tamogami für eine Beibehaltung und Weiterentwicklung der Atomkraft in Japan aus.

Daneben gab es noch eine Reihe von eher exzentrischen Kandidaturen, z.B. ein selbsternanntes Erfindergenie, der alle Probleme mit Innovation und Erfindungen lösen wollte, oder einen jungen Internetkandidaten, der alles über das Internet regeln wollte.

20 Uhr Ortszeit sind die Wahllokale geschlossen, der Sieger steht bereits aufgrund der Prognosen fest: Masuzoe hat mit großem Vorsprung Utsunomiya, Hosokawa und Tamogami auf die Plätze 2 bis 4 verwiesen. Den ersten Analysen zufolge konnte Masuzoe die meisten Stimmen aus dem parteiungebundenen Lager für sich verzeichnen. Die Wahlbeteiligung wird auf ca. 35-40% geschätzt, aufgrund des heutigen Schneechaos blieben viele Wähler_innen zu Hause.

Image

Leave a Comment

Die Piraten Norderstedt

“Sozialschmarotzende Balkanesen” so bezeichnete Torsten Lang, ein Kandidat der Piraten Norderstedt, Flüchtlinge aus den Balkanstaaten in einer der öffentlichen Online-Diskussion der Piraten Segeberg Ende Januar. Seitdem befinden sich die Piraten im Kreis Segeberg in einer Krise, die dazu führen könnte, dass die Piraten anders als angekündigt in der größten Stadt des Kreises nicht zu den Kommunalwahlen am 26. Mai antreten werden.

Am 20. Januar 2013 fand die Aufstellungsversammlung der Piraten für den Kreistag statt. Für alle 25 Wahlkreise, davon 7 aus Norderstedt, wurden Kandidaten gewählt, und eine Liste von fünf Personen (hier das Protokoll).Torsten Lang aus Norderstedt wurde hierbei für den Kreistagswahlkreis 19 (Norderstedt I) sowie auf Listenplatz 5 gewählt.

Kaum eine Woche später fielen die Äußerungen von Torsten Lang, der laut Parteifreunden schon öfter durch ähnliche Aussagen aufgefallen war. Nachdem eine lange Diskussion auf der örtlichen Mailingliste darüber entbrannte (dies kann hier nach einer Anmeldung nachgelesen werden), erklärte Lang sich bereit, auf die Kandidatur zum Kreistag zu verzichten, wenn sich genügend Parteimitglieder aus dem Kreis Segeberg gegen seine Kandidatur aussprachen, was dann auch prompt geschah.

Dies machte eine erneute Kreismitgliederversammlung nötig, die am 10. März stattfand. In der Zwischenzeit waren verschiedene Nachbesetzungen nötig geworden, so dass insgesamt zwei Männer und eine Frau auf die Plätze 4-6 der Kreiswahlliste nachnominiert wurden. Mit dem Stammtisch-Koordinator Frank Kowalski auf Platz 6 war weiterhin ein Norderstedter auf der Liste. (Protokoll hier)

Dann kam es am 21. März im Sportlerheim TuRa Harksheide zur Aufstellungsversammlung für die Stadtvertretung in Norderstedt. Dort kam es zu einer für die Piratenpartei ungewöhnlichen Verfahrensweise: Edgar Timm, der in der Lokalpresse als Gesicht der Piraten Norderstedt aufgetreten war, beantragte, das in der Piratenpartei traditionell wichtige Kandidatengrillen – die oft langwierige Befragung von Kandidaten zu verschiedenen Themen – einzuschränken: es sollten nur Parteimitglieder aus Norderstedt Fragen stellen dürfen, und die Art der Fragen sollte eingeschränkt werden. Begründen tat Timm dies mit der Tatsache, dass er am nächsten Morgen einen Flieger zu kriegen habe. Diese Anträge wurden mit einer knappen Mehrheit (6 von 11) angenommen. Am Ende stand nicht nur Edgar Timm, sondern auch Torsten Lang auf der Vorschlagsliste für die Stadtvertretung (da das Protokoll der Aufstellungsversammlung nicht veröffentlicht wurde, ist unklar, auf welchen Plätzen genau Timm und Lang stehen).

Damit kam es zum GAU: die Kombination aus unpiratischen Verfahrensweisen und die Aufstellung eines problematischen Kandidaten empörte viele Piraten über Norderstedt hinaus. Die Jungen Piraten Schleswig-Holstein, deren einer Landessprecher aus Kaltenkirchen stammt, veröffentlichten am 23. März einen Offenen Brief, in dem gefordert wurde, dass Torsten Lang von der Norderstedter Liste zurücktreten solle. Am nächsten Tag berichteten die Popcornpiraten (ein populäres Blog, das Skandale und Skandälchen innerhalb der Piratenpartei festhält) darüber, so dass nun die Norderstedter Piraten nun deutschlandweit Beachtung fanden.

Es gab einiges Hin und Her, die jedoch in keiner greifbaren Lösung mündeten. Kurz vor Ostern fand ein Aufarbeitungstreffen statt (Aufzeichnung hier), das aber relativ unergiebig war, da weder Edgar Timm noch Torsten Lang anwesend waren. Bis heute liegen keine öffentlich zugänglichen Stellungnahmen von den beiden dazu vor. Einige sprachen von Parteiausschlussverfahren, einige Norderstedter Listenkandidaten solidarisierten sich mit den beiden Angegriffenen, weil sie nicht mit dem Verfahren einverstanden waren. Gleichzeitig lief den Beteiligten die Zeit davon, denn bis zum 8. April müssen die Wahlvorschläge bei dem Gemeindewahlleiter eingereicht worden sein.

Und damit sind wir wieder am Anfang dieses Berichtes: da aufgrund der Parteistrukturen nicht die Gruppen vor Ort, sondern der Landesvorstand die Wahlvorschläge einreicht, mehrten sich die Stimmen, einen Antrag an den Landesvorstand zu stellen, den Wahlvorschlag für Norderstedt nicht beim Gemeindewahlleiter einzureichen. Dieser Forderung schloss sich z.B. auch Oliver Grube an, Bundestagskandidat im Wahlkreis Segeberg/Stormarn Mitte sowie auf Platz 2 der Landesliste. Es haben sich mittlerweile auch Norderstedter Piraten dieser Forderung angeschlossen, und es ist davon auszugehen, dass die Piraten in Norderstedt anders als ursprünglich angekündigt nicht zu den Kommunalwahlen antreten werden.

Am Montagabend um 18 Uhr wird es Gewissheit geben.

Nachtrag: Am 7. April hat der Landesvorstand der Piratenpartei Schleswig-Holstein per Umlaufbeschluss den oben erwähnten Antrag angenommen, und damit den Wahlvorschlag nicht eingereicht.

Leave a Comment

Round-up on Haiti from the blogosphere…

Leave a Comment

Presselinks

Leave a Comment

Obama macht Witze

Jedes Jahr hält die White House Correspondents’ Association (WHCA) ein festliches Diner zu Ehren des Präsidenten ab. Es ist das wichtigste soziale Ereignis in Washington, vom Stellenwert her vergleichbar mit den Oscarfeierlichkeiten in Los Angeles. Es hat sich die Angewohnheit herausgebildet, daß ein Künstler eine launige, meist komödiantische Rede hält, und auch der Präsident selbst mit einer Rede auftritt, mit der er sich selbst und die anwesenden Politiker und Journalisten auf die Schippe nimmt. Am 9. Mai 2009 fand im Washingtoner Hiltonhotel die erste solche Veranstaltung von Obamas Amtszeit statt.

Ich habe unten den Text seiner Rede, wie sie vom Weißen Haus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, wiedergegeben und jeweils die Witze und Andeutungen erläutert. Eine journalistisch bewertende Aufbereitung seiner Rede kann man auch hier finden.

Thank you. Thank you, everybody. Good evening. You know, I had an entire speech prepared for this wonderful occasion, but now that I’m here I think I’m going to try something a little different. Tonight I want to speak from the heart. I’m going to speak off the cuff. (Teleprompters rise.) (Laughter and applause.)

Bezieht sich darauf, daß Obama sich nach Meinung mancher Beobachter zu sehr auf Teleprompter verläßt.

Good evening. (Laughter.) Pause for laughter. (Laughter.) Wait a minute, this may not be working as well as I — (laughter.) Let me try that again.

Good evening, everybody. (Applause.) I would like to welcome you all to the 10-day anniversary of my first 100 days. (Laughter.) I am Barack Obama. Most of you covered me. All of you voted for me. (Laughter and applause.) Apologies to the Fox table. (Laughter.) They’re — where are they? I have to confess I really did not want to be here tonight, but I knew I had to come — just one more problem that I’ve inherited from George W. Bush. (Laughter.)

1. Daß die ersten 1o0 Tage seiner Amtszeit waren, hatte gerade die Nachrichten der letzten Tage dominiert. 2. Journalisten wird häufig unterstellt, daß sie links und überproportional den Demokraten nahe stünden, mit Ausnahme von Fox News. 3. Einige der Probleme, die Obama von Bush übernommen hat, sind die zwei Kriege im Irak und in Afghanistan sowie die Finanzkrise.

But now that I’m here, it’s great to be here. It’s great to see all of you. Michelle Obama is here, the First Lady of the United States. (Applause.) Hasn’t she been an outstanding First Lady? (Applause.) She’s even begun to bridge the differences that have divided us for so long, because no matter which party you belong to we can all agree that Michelle has the right to bare arms. (Laughter and applause.)

Daß die First Lady häufiger mal “Arm” zeigt, hat manchmal für Aufsehen gesorgt. Ansonsten ein Wortspiel auf “bear arms”, dem Recht vom Zweiten Verfassungszusatz, der es Amerikanern erlauben, Waffen zu tragen.

Now Sasha and Malia aren’t here tonight because they’re grounded. You can’t just take Air Force One on a joy ride to Manhattan. (Laughter.) I don’t care whose kids you are. (Laughter.) We’ve been setting some ground rules here. They’re starting to get a little carried away.

Letztens hatte ein schlecht koordinierter Tieflug vom Präsidentenflugzeug über Manhattan, allerdings ohne den Präsidenten an Bord, für Aufsehen gesorgt und zu extremen Irritationen beim Bürgermeister von New York, Mike Bloomberg geführt. Der Verantwortliche im Weißen Haus reichte daraufhin seinen Rücktritt ein.

Now, speaking — when I think about children obviously I think about Michelle and it reminds me that tomorrow is Mother’s Day. Happy Mother’s Day to all the mothers in the audience. (Applause.) I do have to say, though, that this is a tough holiday for Rahm Emanuel because he’s not used to saying the word “day” after “mother.” (Laughter.) That’s true. (Laughter.)

Rahm Emanuel, der Chief-of-staff des Weißen Hauses, wird eine Nähe zum kräftigen Ausdruck nachgesagt. Obama spielt hier auf ein Schimpfwort an, das Rahm besonders gern verwenden soll und das mit “mother..” beginnt.

David Axelrod is here. You know, David and I have been together for a long time. I can still remember — I got to sort of — I tear up a little bit when I think back to that day that I called Ax so many years ago and said, you and I can do wonderful things together. And he said to me the same thing that partners all across America are saying to one another right now: Let’s go to Iowa and make it official. (Laughter and applause.)

David Axelrod, einer der wichtigsten Politstrategen aus Chicago und einer der Väter des überwältigenden Wahlsieges von Obama. Iowa spielt zum einen darauf an, daß der Bundesstaat im Wahlzirkus eine besondere Rolle neben New Hampshire spielt, daß also Politikern aus anderen Bundesstaaten, die sich plötzlich dort blicken lassen, häufiger mal Ambitionen auf die Präsidentschaft nachgesagt werden. Wenn man dann soweit geht, ein Wahlkampfbüro dort zu eröffnen, dann ist es mehr als offiziell. Zum anderen bezieht es sich darauf, daß in Iowa gerade die Homosexuellenehe per Beschluß des Verfassungsgerichts eingeführt wurde. Iowas Heiratsgesetze haben keine Wohnsitzbeschränkung, es kann also jedes Paar dort seine Ehe schließen lassen.

Michael Steele is in the house tonight. (Applause.) Or as he would say, “in the heezy.” (Laughter.) What’s up? (Laughter.) Where is Michael? Michael, for the last time, the Republican Party does not qualify for a bailout. (Laughter.) Rush Limbaugh does not count as a troubled asset, I’m sorry. (Laughter.)

Michael Steele ist der erste Schwarze an der Spitze der Republikaner. heezy ist Slang für “Haus”. Rush Limbaugh ist ein notorischer Radiokommentator, der regelmäßig gegen Obama verbal wütet. Aufgrund des momentanen Führungsvakuums, das auch Michael Steele nicht auszufüllen vermag, wird Limbaugh, obwohl ohne offizielles amt, von vielen Konservativen als Führungspersönlichkeit der Republikaner gesehen. Viele Demokraten glauben jedoch, daß eine Fixierung auf Limbaugh der gegnerischen Partei eher schaden als nützen wird.

Dick Cheney was supposed to be here but he is very busy working on his memoirs, tentatively titled, “How to Shoot Friends and Interrogate People.” (Laughter.)

Das mit dem Schießen bezieht sich auf einen Zwischenfall bei einem Jagdausflug, bei der ein texanischer Rechtsanwalt versehentlich von Dick Cheney angeschossen wurde. Das mit dem Befragen bezieht sich auf die Verhörmethoden der amerikanischen Streitkräfte und Geheimndienste, die zur Zeit in der Diskussion stehen und für die Cheney in letzter Zeit vehement im Fernsehen Stellung bezogen hat.

You know, it’s been a whirlwind of activity these first hundred days. We’ve enacted a major economic recovery package, we passed a budget, we forged a new path in Iraq, and no President in history has ever named three Commerce Secretaries this quickly. (Laughter.) Which reminds me, if Judd Gregg is here, your business cards are ready now. (Laughter.)

Hier zählt Obama seine Erfolge auf. Das letzte allerdings ist ein selbstironischer Hinweis auf seine Schwierigkeiten, einen Handelsminister zu finden. Der erste Kandidat, Bill Richardson, Gouverneur von New Mexico und einstiger Rivale um die Nominierung der Demokraten, zog wegen Korruptionsvorwürfen seine Kandidatur zurück, während der zweite Kandidat, Judd Gregg, ein republikanischer Senator aus New Hampshire, nach anfänglicher Zusage aufgrund von unüberbrückbaren politischen Differenzen ebenfalls nicht mehr zur Verfügung stehen wollte. Im dritten Anlauf wurde schließlich Gary Locke, ehemaliger Gouverneur von Washington, zum ersten chinesischstämmigen Handelsminister der USA ernannt.

On top of that, I’ve also reversed the ban on stem cell research, signed an expansion — (applause) — signed an expansion of the children’s health insurance. Just last week, Car and Driver named me auto executive of the year. (Laughter.) Something I’m very proud of.

Er zählt weiter seine Erfolge auf, bis auf das letzte. Seine Eingriffe in die Autoindustrie, weswegen unter anderem der Chef von GM, Rick Wagoner, gehen mußte, erfüllen ihn nicht mit Stolz. An anderer Stelle sagte er, daß er mit zwei Kriegen eigentlich schon genug zu tun hätte.

We’ve also begun to change the culture in Washington. We’ve even made the White House a place where people can learn and can grow. Just recently, Larry Summers asked if he could chair the White House Council on Women and Girls. (Laughter.) And I do appreciate that Larry is here tonight because it is seven hours past his bedtime. (Laughter.) Gibbs liked that one. (Laughter.)

Larry Summers ist Obamas Berater für Wirtschaftsfragen. Er war Ökonom an der vornehmen Harvard-Universität und wurde Rektor der Universität, mußte jedoch zurücktreten, nachdem er einen Feuersturm der Kritik entfacht hatte mit unbedachten Äußerungen darüber, ob Frauen genetisch in Naturwissenschaften und Mathematik weniger begabt seien. Ob Larry Summers wirklich so früh zu Bett geht, vermag ich nicht zu sagen, aber seinem Image als Bücherwurm (“nerd”) entspricht es allemal. Gibbs ist Obamas Pressesprecher.

In the last hundred days, we’ve also grown the Democratic Party by infusing it with new energy and bringing in fresh, young faces like Arlen Specter. (Laughter.) Now, Joe Biden rightly deserves a lot of credit for convincing Arlen to make the switch, but Secretary Clinton actually had a lot to do with it too. One day she just pulled him aside and she said, Arlen, you know what I always say — “if you can’t beat them, join them.” (Laughter.)

Arlen Specter, ein moderater republikanischer Senator aus Pennsylvania, lief angesichts großer Widerstände aus der republikanischen Partei zu seiner erneuten Kandidatur letztens zu den Demokraten über. Mit 79 Jahren ist er allerdings kein Jüngling mehr. Über Hillary Clintons Kandidatur zur Präsidentschaft, gefolgt von ihrer Berufung zur Außenministerin muß ich hier wohl nicht viele Worte verlieren.

Which brings me to another thing that’s changed in this new, warmer, fuzzier White House, and that’s my relationship with Hillary. You know, we had been rivals during the campaign, but these days we could not be closer. In fact, the second she got back from Mexico she pulled into a hug and gave me a big kiss. (Laughter.) Told me I’d better get down there myself. (Laughter.) Which I really appreciated. I mean, it was — it was nice. (Laughter.)

Dies bezieht sich natürlich auf ihre Rivalitäten in der Vergangenheit, als Obama und Clinton um die Nominierung der Demokraten stritten. Das mit Mexico bezieht sich auf die H1N1-Grippe, die in Mexiko ausbrach. Interessanterweise erkrankte ein Mitglied des mit der Absicherung des Präsidententrosses betrauten Secret Service bei der Rückkehr nach Washginton an besagter H1N1-Grippe. Niemand sonst aus der Delegation war betroffen.

And of course we’ve also begun to change America’s image in the world. We talked about this during this campaign and we’re starting to execute. We’ve renewed alliances with important partners and friends. If you look on the screen there, there I am with Japanese Prime Minister Taro Aso. There I am with Gordon Brown.

Taro Aso war der erste Regierungschef, der Obama in Washington traf. Beim Zusammentreffen mit Gordon Brown kam es zu einem halben Eklat, da die von Obama für Brown vorgesehen Geschenke als unzureichend angesehen wurden. In diesem Abschnitt erwähnt er zwar keine Geschenke, aber im darauf folgenden, daß es in der Diplomatie üblich sei, Geschenke zu geben und entgegenzunehmen.

But as I said during the campaign, we can’t just talk to our friends. As hard as it is, we also have to talk to our enemies, and I’ve begun to do exactly that. Take a look at the monitor there. (Laughter.) Now, let me be clear, just because he handed me a copy of Peter Pan does not mean that I’m going to read it — (laughter) — but it’s good diplomatic practice to just accept these gifts.

Nachdem er Photos von sich mit den zwei freundschaftlich gesinnten Staatschefs zum Besten gab, zeigte er ein weiteres, gestelltes Photo mit Captain Hook. Dieser Witz nimmt Bezug auf Obamas Wahlversprechen, auch mit Amerikas Feinden Gesprächsbereitschaft zu zeigen, wie z.B. mit dem Iran.

All this change hasn’t been easy. Change never is. So I’ve cut the tension by bringing a new friend to the White House. He’s warm, he’s cuddly, loyal, enthusiastic. You just have to keep him on a tight leash. Every once in a while he goes charging off in the wrong direction and gets himself into trouble. But enough about Joe Biden. (Laughter.)

Mit dem Einzug in das Weiße Haus machte Obama sein Versprechen gegenüber seinen Töchtern wahr, einen Hund anzuschaffen. Hier ist der Witz allerdings auf Kosten seinesd Vizes, der für sein loses Mundwerk bekannt ist, und sich und dem Präsidenten manchmal mit von der Sprachregelung abweichenden Äußerungen Schwierigkeiten bereitet.

All in all, we’re proud of the change we’ve brought to Washington in these first hundred days but we’ve got a lot of work left to do, as all of you know. So I’d like to talk a little bit about what my administration plans to achieve in the next hundred days.

During the second hundred days, we will design, build and open a library dedicated to my first hundred days. (Laughter.) It’s going to be big, folks. (Laughter.) In the next hundred days, I will learn to go off the prompter and Joe Biden will learn to stay on the prompter. (Laughter.)

Präsidenten richten nach Ende ihrer Amtszeit in der Regel eine Bibliothek ein, die nicht nur als Archiv für die Dokumente aus ihren Regierungsjahren dienen soll, sondern auch an ihre Präsidentschaft erinnern soll. Er nimmt außerdem wieder Bezug auf zwei bereits gemachte Witze: daß er sich zusehr auf Teleprompter verlasse, und daß sein Vize zu sehr vom Skript abweiche.

In the next hundred days, our bipartisan outreach will be so successful that even John Boehner will consider becoming a Democrat. After all, we have a lot in common. He is a person of color. (Laughter.) Although not a color that appears in the natural world. (Laughter.) What’s up, John? (Laughter.)

John Boehner ist der Oppositionsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus. Obamas Markenzeichen war es, auch das Gespräch mit dem politischen Gegner zu suchen, aber dies war bis jetzt nicht vom übermäßigen Erfolg gekrönt. Die Anspielung mit der Farbe bezieht sich auf John Boehners sonnengebrannte Bräune, die aber laut Kongreßmunkeleien nicht auf “natürliche Weise” entstanden sein soll. Eine Anspielung auf die Hautfarbe, die eben nur von einem schwarzen Präsidenten kommen kann.

In the next hundred days, I will meet with a leader who rules over millions with an iron fist, who owns the airwaves and uses his power to crush all who would challenge his authority at the ballot box. It’s good to see you, Mayor Bloomberg. (Laughter.)

Mike Bloomberg, Milliardär und Bürgermeister von New York, Besitzer eines finanziellen Informationsdienstes samt Fernsehkanal. Ursprünglich war in New York die Wiederwahl von Amtsträgern begrenzt, was Bloomberg in einem von politischen Gegnern scharf kritisierten Schachzug ändern ließ, um sich so eine dritte Amtszeit zu ermöglichen.

In the next hundred days, we will housetrain our dog, Bo, because the last thing Tim Geithner needs is someone else treating him like a fire hydrant. (Laughter.) In the next hundred days, I will strongly consider losing my cool. (Laughter.)

Jetzt kommt die Rede auf besagten Hund. Tim Geithner ist Obamas Finanzminister und als solcher hat er zahlreiche bail-outs ermöglicht, sich sozusagen als Feuerwehrmann der Nation betätigt. Der letzte Satz bezieht sich darauf, daß Obama bis jetzt in allen Situationen seine sprichwörtliche Ruhe bewahrt hat. Das hat ihm manchmal Kritik eingebracht von denjenigen, die ihm vorwerfen, den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben.

Finally, I believe that my next hundred days will be so successful I will be able to complete them in 72 days. (Laughter.) And on the 73rd day, I will rest. (Laughter.)

Obama hat den Ruf eines Überfliegers, und will seine zweiten 100 Tage in 72 Tagen abschließen. Der letzte Satz ist eine Anspielung auf die Schöpfungsgeschichte. Einige Republikaner spotten darüber, daß Obamas Anhänger ihm eine gottähnliche Verehrung entgegenzubringen scheinen.

I just — I want to end by saying a few words about the men and women in this room whose job it is to inform the public and pursue the truth. You know, we meet tonight at a moment of extraordinary challenge for this nation and for the world, but it’s also a time of real hardship for the field of journalism. And like so many other businesses in this global age, you’ve seen sweeping changes and technology and communications that lead to a sense of uncertainty and anxiety about what the future will hold.

Die letzten Absätze sollen dem Ego der Journalisten schmeicheln und sie ihrer wichtigen Rolle versichern, die sie im politischen Gefüge spielen. Die Zeitungskrise hat auch die USA voll erfaßt, viele Zeitungen entlassen und manche schließen sogar, es sind Worte, die sicherlich gut ankommen bei den Betroffenen. (Der unten nochmals erwähnte Gibbs ist Obamas Pressesprecher.)

Across the country, there are extraordinary, hardworking journalists who have lost their jobs in recent days, recent weeks, recent months. And I know that each newspaper and media outlet is wrestling with how to respond to these changes, and some are struggling simply to stay open. And it won’t be easy. Not every ending will be a happy one.

But it’s also true that your ultimate success as an industry is essential to the success of our democracy. It’s what makes this thing work. You know, Thomas Jefferson once said that if he had the choice between a government without newspapers, or newspapers without a government, he would not hesitate to choose the latter.

Clearly, Thomas Jefferson never had cable news to contend with — (laughter) — but his central point remains: A government without newspapers, a government without a tough and vibrant media of all sorts, is not an option for the United States of America. (Applause.)

So I may not — I may not agree with everything you write or report. I may even complain, or more likely Gibbs will complain, from time to time about how you do your jobs, but I do so with the knowledge that when you are at your best, then you help me be at my best. You help all of us who serve at the pleasure of the American people do our jobs better by holding us accountable, by demanding honesty, by preventing us from taking shortcuts and falling into easy political games that people are so desperately weary of.

And that kind of reporting is worth preserving — not just for your sake, but for the public’s. We count on you to help us make sense of a complex world and tell the stories of our lives the way they happen, and we look for you for truth, even if it’s always an approximation, even if — (laughter.)

This is a season of renewal and reinvention. That is what government must learn to do, that’s what businesses must learn to do, and that’s what journalism is in the process of doing. And when I look out at this room and think about the dedicated men and women whose questions I’ve answered over the last few years, I know that for all the challenges this industry faces, it’s not short on talent or creativity or passion or commitment. It’s not short of young people who are eager to break news or the not-so-young who still manage to ask the tough ones time and time again. These qualities alone will not solve all your problems, but they certainly prove that the problems are worth solving. And that is a good place as any to begin.

So I offer you my thanks, I offer you my support, and I look forward to working with you and answering to you and the American people as we seek a more perfect union in the months and years ahead.

Thank you very much, everybody. Thank you. (Applause.)

Leave a Comment

Neues Wort: Gemerkelage

Bei einer politischen Diskussion neulich kamen wir darauf, daß es Leute geben mag, die die außenpolitischen Leistungen unserer Frau Bundeskanzlerin zu würdigen wissen, aber mit ihrer Innenpolitik nicht ganz so zufrieden sind, und vielmehr der Meinung sind, daß die Große Koalition unter der Leitung von Frau Merkel sich nur so durchgewurschtelt hat. Um dies zu beschreiben, kam mir eine schöne Wortschöpfung in den Sinn: Gemerkelage, ein blend aus Gemengelage und Merkel. Google findet nichts unter diesem Suchbegriff, also melde ich hiermit den Anspruch an, dieses Wort geprägt zu haben.

Leave a Comment

Die Produkte von morgen

Zwei Produkte, die es noch nicht gibt: ein tolles Handy, das ich gern hätte, das Pomegranate, und einen Laptop, den ich nicht wirklich brauchen würde…

Noch mehr Infos zum Telefon gibt’s hier

(Und hier noch der Hinweis mit der Holzhandlung: www.theonion.com)

Comments (1)

Older Posts »